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WISSEN

Ist meine Website barrierefrei? Der 10-Punkte-Selbsttest

Barrierefreiheit im Web ist längst kein Nischenthema mehr. Öffentliche Institutionen sind in der Schweiz bereits heute zur barrierefreien Gestaltung ihrer Online-Angebote verpflichtet, und für private Anbieter sind entsprechende Pflichten auf den 1. Januar 2027 geplant. Wer jetzt prüft, wo die eigene Website steht, verschafft sich einen klaren Vorsprung.

Die gute Nachricht: Sie brauchen kein Audit und keine Spezialsoftware, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Die zehn folgenden Tests können Sie selbst durchführen – am eigenen Rechner, in wenigen Minuten. Sie ersetzen keine vollständige fachliche Prüfung, aber sie zeigen Ihnen sehr schnell, ob Ihre Website auf einem soliden Fundament steht oder ob es grössere Lücken gibt.

Nehmen Sie sich Ihre eigene Startseite und eine Unterseite (zum Beispiel eine Kontakt- oder Produktseite) vor und gehen Sie die Punkte der Reihe nach durch.

1. Bedienung mit der Tastatur

Worum es geht: Viele Menschen nutzen keine Maus – etwa weil sie motorisch eingeschränkt sind oder mit einem Screenreader arbeiten. Eine barrierefreie Website lässt sich komplett mit der Tastatur bedienen.

So testen Sie es: Klicken Sie einmal in die Seite und drücken Sie wiederholt die Tab-Taste. Sie sollten sich Schritt für Schritt durch alle Links, Buttons und Formularfelder bewegen können. Achten Sie darauf, ob das gerade aktive Element deutlich sichtbar markiert ist (meist durch einen Rahmen). Erreichen Sie das Menü, die Suche und den Footer? Bleibt der Fokus irgendwo „hängen"?

Bestanden, wenn: Sie alles erreichen und jederzeit sehen, wo Sie gerade sind.

2. Sichtbarer Fokus

Worum es geht: Wer mit der Tastatur navigiert, muss jederzeit erkennen können, welches Element gerade ausgewählt ist.

So testen Sie es: Während Sie (wie in Punkt 1) mit Tab durch die Seite gehen: Ist immer eindeutig zu sehen, wo Sie sich befinden? Ein dezenter, aber klar erkennbarer Rahmen oder eine Hervorhebung gehört dazu.

Bestanden, wenn: Der Fokus nie unsichtbar wird – auch nicht bei Buttons oder im Menü.

3. Alternativtexte für Bilder

Worum es geht: Screenreader können Bilder nicht „sehen". Sie lesen stattdessen den hinterlegten Alternativtext vor. Fehlt er, bleibt das Bild für blinde Nutzerinnen und Nutzer stumm.

So testen Sie es: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf ein Bild und wählen Sie „Grafik in neuem Tab öffnen" oder nutzen Sie eine Browser-Erweiterung. Aussagekräftiger: Fragen Sie Ihre Redaktion, ob bei jedem inhaltlich relevanten Bild ein Alternativtext gepflegt wird. Dekorative Bilder brauchen keinen – aber ein Foto Ihres Teams oder Ihrer Produkte sehr wohl.

Bestanden, wenn: Jedes Bild, das eine Information transportiert, einen sinnvollen Alternativtext hat.

4. Farbkontrast

Worum es geht: Heller Text auf hellem Grund oder dünne, graue Schrift sind für viele Menschen kaum lesbar – besonders für ältere Nutzer oder Menschen mit Sehbeeinträchtigung.

So testen Sie es: Schauen Sie sich Ihre Texte bei normaler Bildschirmhelligkeit an. Lässt sich alles mühelos lesen, auch die graue Schrift in Fusszeilen oder auf farbigen Buttons? Für eine genaue Messung gibt es kostenlose Online-Tools, in die Sie die Farbwerte eingeben.

Bestanden, wenn: Sämtliche Texte sich auch bei flüchtigem Blick gut vom Hintergrund abheben.

5. Zoom und Textvergrösserung

Worum es geht: Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen vergrössern Webseiten oft deutlich. Dabei darf nichts verschwinden oder unbedienbar werden.

So testen Sie es: Drücken Sie Ctrl und die +-Taste, bis die Seite auf etwa 200 % vergrössert ist. Bleibt der Text lesbar? Überlappen sich Elemente? Verschwinden Inhalte am Rand oder erscheinen Texte abgeschnitten?

Bestanden, wenn: Bei doppelter Grösse alle Inhalte erhalten und nutzbar bleiben.

6. Logische Überschriften

Worum es geht: Screenreader-Nutzer springen häufig von Überschrift zu Überschrift, statt eine Seite Wort für Wort zu lesen. Dafür braucht es eine saubere Struktur: eine Hauptüberschrift (H1), darunter Zwischenüberschriften (H2, H3) in sinnvoller Reihenfolge.

So testen Sie es: Lesen Sie nur die Überschriften Ihrer Seite – von oben nach unten. Ergibt das eine sinnvolle Gliederung, fast wie ein Inhaltsverzeichnis? Oder sind Überschriften nur grosse, fette Textzeilen ohne echte Hierarchie?

Bestanden, wenn: Die Überschriften allein schon den Aufbau der Seite verständlich machen.

7. Aussagekräftige Linktexte

Worum es geht: Screenreader können sich alle Links einer Seite als Liste vorlesen lassen. „Hier klicken" oder „mehr" ergeben dann keinen Sinn.

So testen Sie es: Schauen Sie Ihre Links isoliert an. Versteht man auch ohne den umgebenden Text, wohin sie führen? „Mehr über unsere Leistungen erfahren" ist gut – „mehr" allein ist es nicht.

Bestanden, wenn: Jeder Linktext für sich allein verständlich ist.

8. Beschriftete Formulare

Worum es geht: Formularfelder müssen klar beschriftet sein – und zwar dauerhaft, nicht nur durch einen Platzhaltertext, der beim Tippen verschwindet. Fehlermeldungen müssen verständlich sein.

So testen Sie es: Öffnen Sie Ihr Kontaktformular. Hat jedes Feld ein sichtbares Label, das auch dann sichtbar bleibt, wenn Sie hineinschreiben? Senden Sie das Formular einmal leer ab: Wird klar benannt, welches Feld fehlt – und nicht nur ein roter Rahmen gezeigt?

Bestanden, wenn: Felder dauerhaft beschriftet sind und Fehler in Worten erklärt werden.

9. Untertitel und Transkripte

Worum es geht: Videos ohne Untertitel schliessen gehörlose und schwerhörige Menschen aus. Reine Audioinhalte brauchen ein Transkript.

So testen Sie es: Haben Ihre Videos Untertitel, die sich zuschalten lassen? Gibt es zu Podcasts oder Audiobeiträgen einen Textbegleiter? Falls Sie keine Videos einsetzen, ist dieser Punkt automatisch erfüllt.

Bestanden, wenn: Jeder Ton-Inhalt auch in Textform zugänglich ist.

10. Mobil und ohne störende Bewegung

Worum es geht: Ein grosser Teil Ihrer Besucher kommt über das Smartphone. Ausserdem können automatisch ablaufende Animationen oder blinkende Elemente Menschen ablenken oder im Extremfall sogar gesundheitlich gefährden.

So testen Sie es: Öffnen Sie Ihre Website auf dem Handy. Ist alles ohne ständiges Zoomen bedienbar? Laufen irgendwo Animationen, Slider oder Videos automatisch los – und lassen sie sich anhalten?

Bestanden, wenn: Die Seite mobil komfortabel nutzbar ist und sich Bewegung kontrollieren lässt.

Was Ihr Ergebnis bedeutet

8–10 Punkte bestanden: Ihre Website steht auf einem guten Fundament. Es lohnt sich, die verbleibenden Punkte gezielt zu schliessen – oft sind es Kleinigkeiten.

4–7 Punkte: Eine solide Basis mit spürbaren Lücken. Viele dieser Punkte lassen sich mit überschaubarem Aufwand verbessern, bevor sie zum Problem werden.

0–3 Punkte: Hier besteht grundlegender Handlungsbedarf. Eine strukturierte Überarbeitung schafft nicht nur Sicherheit mit Blick auf kommende Anforderungen, sondern macht Ihre Website für alle besser.

Wichtig: Dieser Selbsttest gibt Ihnen eine ehrliche erste Einschätzung. Er ist keine rechtsverbindliche Konformitätsprüfung und ersetzt keine fachliche oder rechtliche Beratung.

Warum sich Barrierefreiheit doppelt auszahlt

Das Spannende: Fast alles, was Ihre Website für Menschen besser zugänglich macht, hilft gleichzeitig Suchmaschinen und KI-Systemen, Ihre Inhalte zu verstehen. Sauberes HTML, klare Überschriften, aussagekräftige Linktexte und Alternativtexte sind die Grundlage für Barrierefreiheit, für SEO und für die Sichtbarkeit in KI-Antworten (GEO).

Anders gesagt: Sie investieren einmal in ein sauberes Fundament – und erreichen damit Menschen, Google und KI gleichermassen.

Ihr nächster Schritt

Sie möchten es genauer wissen, als zehn Fragen es leisten können? Wir prüfen Ihre Website strukturiert auf die wichtigsten Barrierefreiheits-Kriterien und zeigen Ihnen konkret, wo Sie stehen und was sich mit welchem Aufwand verbessern lässt.

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Mehr darüber, wie wir barrierefreie Websites umsetzen – von Vereinen und Institutionen bis zu regionalen KMU – lesen Sie auf unserer Seite zur Barrierefreiheit.